Wie jeder einigermaßen sportaffine Mensch, kann auch ich einen reichen Erfahrungsschatz bezüglich schmerzhaft protestierender Muskulatur nach ungewohnter oder ungewohnt intensiver körperlicher Betätigung vorweisen.
Kaum ein Muskelkater ist jedoch so unkomfortabel wie die Variante, die mitunter die Wade befällt. Nein, keine Diskussion: Wadenmuskelkater ist der schlimmste Muskelkater der Welt. Ich muss es wissen. Denn meine Waden sind verkatert, und wie.
Gutgut – aus dramaturgischen Gründen überzeichne ich meine aktuelle Leidenslage eventuell minimal. Ich gebe zu, ich kann noch Treppen hinuntergehen, indem ich zuerst die Zehenballen aufsetze – ein sicheres Zeichen dafür, dass der Muskelkater keine lebensbedrohlichen Ausmaße erreicht hat.
Dennoch: nach längeren Ruhephasen – wie sie etwa als Begleiterscheinung nächtlicher Regeneration, Kinofilm gucken (“Ultimate Wave Tahiti” im Imax gestern … Tahiti ist schön, das Meer macht mir Angst, Kelly Slater hat tolle (blaue?) Augen, und eindeutig weniger Wadenmuskulatur als ich), oder stundenlangem Lümmeln in der Sonne oder auf der Couch beim gleichzeitigen Studium von “Born to Run” (mehr dazu später) vorkommen – kreischen meine Waden momentan brüskiert auf, sobald ich sie wieder zur Arbeit nötige.
Warum dieser unerquickliche Zustand? Weil ich Lust hatte, meine Vibram-/Barefootlaufkünste zu trainieren. Und es auch tat. Vorgestern wieder 20 Minuten am Stück, gestern 25 Minuten am Stück. Feststellung: die Wadenmuskulatur übernimmt dabei einen viel größeren Teil der Federungsarbeit als in herkömmlichem Jogging-Schuhwerk. Bzw. einen anders gearteten, da sich der Bewegungsablauf insgesamt vom Lauf im weichsohligen Joggingschuh unterscheidet.
Jetzt würde ich eigentlich gerne auch wieder loslegen. Nur: ist das gut? Würde meinen Waden nicht vielleicht doch eine kleine Regenerations-Pause besser gefallen?
Meine bisherige Genesungsstrategie war immer: verkaterte Muskeln benutzen!
Nur: wie intensiv? Eine Google-Suche (“Behandlung Muskelkater”) erhellte mich wie folgt:
“durchblutungsfördernde Maßnahmen [können] den Heilungsprozess etwas beschleunigen: Empfohlen wird ein lockeres Training wie leichte Gymnastik oder Jogging. Auch zusätzliche Wärme durch Saunagänge, Infrarot-Kabine oder Bäder wirkt schmerzlindernd; Kräuterzusätze wie Rosmarin oder Fichtennadeln verstärken den Effekt.” (Quelle: http://www.moovuz.com/blog/show/blogid/31)
Auf Bodybuilding-magazin.de erfahre ich:
“Was hilft?
- sehr, sehr leichte konzentrische Muskelarbeit
- ein warmes Bad
- leichtes Ausdauertraining ( allerdings nicht bei Muskelkater in den Beinen ! )
- Wärme durch zB. Sauna, Solarium
Was hilft nicht
tiefe Massage
intensives / max. Muskeltraining
betont exzentrische Muskelarbeit
direkte Wiederholung des muskelkater-auslösenden Trainings [Markierung von Mel]“
Meine Schlussfolgerung nach dieser intensiven und hochwissenschaftlichen Recherche: ich sollte meine Waden dezent beanspruchen, sprich: gehen, radeln, aber nicht unbedingt sofort zum nächtsten Vibram-Run aufbrechen.
Ach, eff it, ich geh jetzt laufen!
Oh, oder doch nicht – das Angebot einer Ving-Tsun-Privat-Trainingseinheit rettet meine Waden vor erneutem Drill. Für’s erste …